„Bildung ist der Schlüssel zur Erreichung von Lebenszielen“

Wiens Bürgermeister Dr. Michael Ludwig über lebenslanges Lernen, Volksbildung, Deutschkenntnisse und -kurse sowie den Zusammenhang von Bildung und Chancengleichheit.

Dr. Gerhard Bisovsky, Generalsekretär des Verbands Österreichischer Volkshochschulen, hat Sie in einer Aussendung anlässlich Ihrer Wahl zum Bürgermeister als „lebenslang Lernenden“ bezeichnet. Inwiefern sehen Sie selbst sich als solchen? Und wie wichtig ist lebenslanges Lernen generell?

Michael Ludwig:
Da ist sicher was dran an der Zuschreibung. Ich bin auch davon überzeugt, dass wir alle, insbesondere in unserer schnelllebigen Zeit, täglich dazu lernen. Wir sind zunehmend mit neuen Herausforderungen beschäftigt. Neue Entwicklungen und Technologien, die in rasendem Tempo  kommen, fordern uns. Die Digitalisierung ist eine Herausforderung, auch gesellschaftlich und politisch, vergleichbar mit der Industriellen Revolution. Und die Digitalisierung umfasst jetzt schon alle Lebensbereiche, von der Arbeitswelt über die Bildung bis hin zum gesellschaftlichen Miteinander.

Ist die Digitalisierung ein Grund, sich zu fürchten?

Ich denke, dass wir hier große Chancen haben. Es ist dies auch eine große Chance für den Wirtschaftsstandort Wien und diese Chancen werden wir auch nutzen. Gleichzeitig ist mir aber ganz wichtig, eine Brücke zu schlagen zu jenen, die mit diesem Tempo vielleicht nicht mithalten können. Es darf hier zu keiner Vertiefung von sozialen Gegensätzen kommen. Wir müssen versuchen, alle Menschen mitzunehmen auf diesen weiten Weg, den die Digitalisierung mit sich bringen wird.
Das beginnt bereits in der Schule. Denn Bildung ist der Schlüssel für das Erreichen von Lebenszielen. Und ob Kinder selbst ihre Zukunft in die Hand nehmen können, gesellschaftlich und sozial aufsteigen können, ist sehr stark abhängig von ihren Möglichkeiten im Schul- und Ausbildungssystem. Und auch hier ist es notwendig, dass wir allen Kindern unabhängig von Herkunft oder von sozialen Möglichkeiten gleiche Chancen  bieten, unabhängig von Barrieren, die ihnen im Wege stehen, entsprechend ihren Talenten. Aber heute gilt mehr denn je, dass Bildung nicht mit dem Schulabschluss endet. Insbesondere auch der rasch fortschreitende technologische Wandel trägt massiv dazu bei.