SERIE: Mangelberufe

Sehr gerne, gnä’ Frau!

Freundliches, gut geschultes Servicepersonal in Hotellerie  und Gastronomie ist für den Gast eine Wohltat – und für die Arbeitgeber ebenfalls. Doch vor allem in Tourismusregionen herrscht ein regelrechter Kampf um die besten Köpfe. Das  Gewerbe kämpft mit Imageproblemen und Mitarbeitermangel. Alle hausgemacht?

Die KMU Forschung Austria hat im Februar 2017 eine Reihe von Ursachen eruiert, warum Tourismusunternehmen Schwierigkeiten beim Rekrutieren von Arbeitskräften haben. An vorderster Stelle wurden mangelnde Verfügbarkeit, zu wenige Fachkenntnisse, wachsende Ansprüche in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mangelhafte Sprachkenntnisse, das wenig attraktive Image der Branche und mangelnde Mobilität genannt.
Sind Berufe in Hotellerie und Gastronomie Mangelberufe? Eine IHS-Studie, die bereits Ende 2015 veröffentlicht wurde, verneint dies. Der angebliche Fachkräftemangel sei – ähnlich wie in der Informatik – keiner, sondern qualifizierte Personen entschieden sich aufgrund des niedrigen Lohnniveaus für andere Wege. Allein die hohe Arbeitslosigkeit zeige, dass es dem Gaststättenwesen nicht an Fachkräften mangle. Vielmehr seien die regelmäßig kolportierten Rekrutierungsprobleme „auf strukturelle Probleme, etwa auf die schwierigen Arbeitsbedingungen und das geringe Lohnniveau, zurückzuführen“.
Echte Fachkräftemängel würden sich durch eine Erhöhung der Gehälter und der Überstundenzahl äußern – das sei hier aber nicht der Fall. Wie auch immer man zu diesem Ergebnis steht – es bleibt die Tatsache, dass auch Häuser mit einem guten Lohnniveau mitunter große Schwierigkeiten haben, geeignete Mitarbeiter zu finden, insbesondere dann, wenn sie nicht in einem städtischen Zentralraum zu finden sind, sondern am Land. Doch eben dort sind die klassischen Tourismusregionen Österreichs zu finden. „Natürlich kann es auch in den Städten zu Personalmangel kommen“, sagt dazu Dr. Beate Sprenger vom Arbeitsmarktservice Österreich (AMS). „Aber tendenziell ist der Personalmangel in ländlichen Gegenden größer, allein schon deswegen, weil dort weniger Leute wohnen und damit insgesamt weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.“