SERIE: HANDWERK

Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne

Die Digitalisierung hält auch im Goldschmiedehandwerk Einzug. Der Umgang mit CAD/CAM-Programmen gehört hier mittlerweile zum Alltag.

Österreichs Gold- und Silberschmiede blicken auf eine lange Tradition zurück: 1366, also vor 652 Jahren, erhielten sie bereits ihre älteste Handwerksordnung. Doch trotz dieser Historie ist die Branche alles andere als verzopft. Zwar wird traditionelles Handwerk hochgehalten, doch die Digitalisierung hält auch in den Werkstätten und Ateliers Einzug. „Man sollte neben analogen Fähigkeiten auch die digitale Welt beherrschen“, das rät Wolfgang Hufnagl, stellvertretender Bundesinnungsmeister der Kunsthandwerke, zu denen Goldschmiede gehören.
Immer öfter würden Schmuckstücke am Computer gezeichnet und geschnitzt sowie am 3D-Drucker gedruckt. „Mit CAD- und CAM-Programmen umzugehen, gehört dazu“, sagt Hufnagl. Der Feinschliff beispielsweise erfolge dann jedoch per Hand. Die Digitalisierung verändere auch in seiner Branche die Möglichkeiten, ist er überzeugt: „Sie gibt uns die Möglichkeit, Märkte zurückzuerobern.“ Denn die große Konkurrenz sitzt in Asien, dort wird Massenschmuck günstig gefertigt. Mithilfe der Computer, aber auch von Laserschneidern und -schweißgeräten könnte die Produktion hierzulande weiter individualisiert werden, und das mit einer gewissen Zeitersparnis. Auch das Thema Leistbarkeit spielt da hinein. Und noch einen Vorteil sieht Hufnagl: „Die Qualität des Designs steigt. Es gibt keine Zufallsdesigns mehr, weil man am Computer genau vorgeben muss, was man will.“

Viel Nachfrage, wenig Angebot

Das Interesse am Beruf des Gold- und Silberschmiedes ist groß – anders sieht  es mit den Lehrstellen aus. In Wien gibt es aktuell 165 Betriebe, in denen derzeit 17 Lehrlinge – die Lehre dauert 3,5 Jahre – ausgebildet werden. „Der Mangel an Lehrstellen ist strukturbedingt“, erklärt   Alfred Römer, Leiter des Wiener Goldschmiedelehrganges. Denn der Großteil der rund 590 österreichischen Betriebe sind Ein-Personen-Unternehmen. „Einen Lehrling kann man aber erst in einem  Betrieb mit drei Mitarbeitern gut ausbilden“, sagt Hufnagl.