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Beruf Lebens- und Sozialberatung – Quo vadis?

Klaus Rückert, ARGE Bildungsmanagement/SFU Sigmund Freud Privatuniversität zur positiven Entwicklung des Beratungsberufes und wie die Berufspolitik der WKO ihm schadet.

1. Gute Beratung

Die Lebens- und Sozialberatung hat in den letzten Jahren an Anerkennung in der Öffentlichkeit deutlich zugenommen und ist auf einem guten Weg, zu einem respektierten Beruf in der Beratungslandschaft zu werden.
Das hat sie nicht der Berufsvertretung der WKO zu verdanken, sondern es ist das Verdienst der Ausbildungsträger, die ihren Auftrag ernst nehmen und die sich hinsichtlich ihrer Ausbildungsqualität stark gesteigert haben. Vor allem aber ist die zunehmende Akzeptanz und Inanspruchnahme durch Ratsuchende den LebensberaterInnen selber zu verdanken, deren Bildungsniveau beim Einstieg in die Ausbildung deutlich gestiegen ist und die von den Ausbildungsinstituten die Vermittlung praxistauglicher Beratungskompetenzen fordern, um im Beruf gut beraten zu können. Sie haben erkannt, dass sie nur seriöse und ehrliche Beratungsarbeit auf Augenhöhe bei den KlientInnen und KundInnen glaubhaft macht.

2. Berufsfunktionäre als Behauptungstäter

Der positiven Entwicklung im Beratungsberuf steht eine irreführende Berufspolitik der Berufsvertretung der Lebens- und Sozialberatung in der WKO, vor allem der Fachgruppe Wien, konträr gegenüber. Sie befindet sich seit Jahren im Kampfmodus und diffamiert und bekriegt einerseits benachbarte, traditionelle Berufsgruppen wie PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, MediatorInnen und SupervisorInnen, anstatt mit ihnen kollegial zu kooperieren – und andererseits versucht sie, zum Teil mit aggressiven Maßnahmen bis hin zu Anzeigen bei Gericht, seit Jahrzehnten gewachsene und für spezielle Anwendungsfelder entwickelte Methoden und Kulturen der Beratung in den Tätigkeitskatalog der Lebens- und Sozialberatung hinein zu behaupten und zu pressen. Durch diese Art von Berufspolitik werden Misstrauen und Feindschaft zu den anderen Beratungsberufen geschürt, was sich erschwerend auf die praktische Tätigkeit der Lebens- und SozialberaterInnen auswirkt, aber auch die LebensberaterInnen innerhalb der WKO spaltet.
Das ständig wiederholte Mantra der Berufsfunktionäre, dass diese Beratungsmethoden (z. B. Mediation, Supervision, u.a.) „schon immer“ zum Tätigkeitsfeld der LebensberaterInnen „gehören“ und von ihnen fachlich bestens abgedeckt werden, stimmt leider nicht, und alle lautstarken Behauptungen diesbezüglich entsprechen nicht den Fakten.
Halten wir wahrheitsgemäß fest: die von den Lebens- und SozialberaterInnen verwendeten (und in der Ausbildungsverordnung durch die WKO selber festgelegten) Beratungsmethoden sind bekanntermaßen von der Psychotherapie, Psychologie, Organisationsentwicklung und Konflikttheorie und von anderen Beratungsberufen entlehnt bzw. übernommen! Die Lebens- und Sozialberatung hat selber keine eigenständigen spezifischen Methoden, geschweige denn wissenschaftliche Effizienzforschung für ihre Beratungspraxis vorzuweisen.
Die Verwendung und Übernahme von Beratungsmethoden u. -techniken aus anderen Berufen ist auch erlaubt und erwünscht, weil sie dem Wohle der ratsuchenden Menschen dienen. Es stünde unseren Berufsfunktionären aber gut an, diese Leistungen anderer anzuerkennen.
Realistisch gesehen, wird es in absehbarer Zeit weiterhin so bleiben, dass, im Gegensatz zu den überzogenen Behauptungen der Funktionäre, die Lebens- und SozialberaterInnen im Rahmen ihrer Ausbildung in den angeführten Spezialgebieten (Supervision, Mediation u.a.) in der Regel nur Grundkenntnisse erlangen, und die Qualität von SpezialistInnen auch nur bedingt durch Kurz-Weiterbildungen erreicht werden kann. Darüber hinaus ist in der WKO das notwendige wissenschaftlich-kulturelle Umfeld zur Unterstützung und Weiterentwicklung von speziellen Beratungsmethoden nicht vorhanden.
Das Berufsfeld der Lebens- und SozialberaterInnen ist breit angelegt, und wir müssen anerkennen, dass es für viele Bereiche bereits besser ausgebildete ExpertInnen gibt. Verabschieden wir uns von der Behauptung, dass wir alles können, beenden wir den Abgrenzungskampf mit anderen Berufen, und konzentrieren wir uns auf das, was wir wirklich gut können und teilweise noch entwickeln müssen.

3. Lebens- und Sozialberatung auf dem Weg zu einem eigenen Berufsprofil

Es ist für uns LebensberaterInnen an der Zeit, aus dem eigenen Schatten zu treten und ein selbstständiges Berufsprofil zu entwickeln. Unsere Ausbildung beruht auf einem generalistischen Konzept, die Tätigkeitsfelder erstrecken sich von der frühen Kindheit bis zum Alter und zum Sterben und decken somit alle menschlichen Lebensphasen ab.
Was die Lebens- und Sozialberatung auszeichnet, ist die praxisnahe Ausbildung und die differenzierte Beratungstätigkeit für Menschen in ihren vielfältigen Alltagsproblemen und wirklichen Bedürfnissen.

  • Die neueren gesellschaftlichen Entwicklungen stellen viele altvertraute Lebensziele u. -gewohnheiten zur Disposition.
    Die LebensberaterInnen finden hier ein großes Beratungsfeld vor und können Ratsuchenden dazu verhelfen herauszufinden, wie sie für sich, für ihre Mitmenschen und im Rahmen unserer Gesellschaft ein gutes Leben führen können.
  • Die Digitalisierung und Robotik werden das Leben der Menschen vollkommen verändern. Wir müssen für uns neue Arbeits- und Lebensformen erfinden.
    Die LebensberaterInnen können die Menschen dabei sinnvoll begleiten.
  • Das kapitalistische Wirtschaftssystem zwingt uns grenzenloses, umweltzerstörendes Konsumverhalten auf, KlimaexpertInnen sprechen bereits darüber, dass die menschengemachte Erderwärmung nicht mehr gestoppt werden kann.
    Die Lebens- und SozialberaterInnen werden sich auch notgedrungen mit gesellschaftspolitischen Problemen (Klimawandel, Umweltzerstörung) und darauf bezogene Kriseninterventionen beschäftigen müssen.
  • Mit der erfreulichen Tatsache, dass wir älter werden, erfüllt sich die Menschheit einen uralten Traum. Gleichzeitig lösen sich die ehemals sichernden Rollen zwischen Alten und Jungen auf, und viele alte Menschen leiden unter Vereinsamung.
    Die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft mit erheblicher Zunahme älterer Menschen führt zu einem erhöhten Beratungs- und Betreuungsbedarf. Mit familiärer Betreuung auf Angestelltenbasis wird experimentiert, zur Qualitätssicherung ist begleitende Beratung und Supervision, z.B. durch LebensberaterInnen, erforderlich.
    So gibt es im Bereich der Altenarbeit vielfältige Tätigkeitsbereiche für Lebens- und SozialberaterInnen, angefangen von Gesprächsangeboten, über Storytelling – bis zu kreativen Freizeit- und Beschäftigungsangeboten und Validation.
  • Das Phänomen der Vereinsamung betrifft nicht nur alte Menschen, auch Singlehaushalte und Alleinerziehende nehmen zu. Neue soziale Strukturen und erweiterte Familienkulturen entstehen – ebenfalls ein weites Beratungsfeld für Lebens- und SozialberaterInnen.
  • In unserer sich schnell verändernden Welt, werden sich die LebensberaterInnen mit Fragen der Kindererziehung, der schulischen und beruflichen Bildung, mit Fragen des bedingungslosen Grundeinkommens, mit neuen Genderverhältnissen, mit Fragen der Generationenbeziehungen, mit neuen und alten Familien- und Partnerformen und Sexualkulturen, mit verändertem Freizeitverhalten, mit Fragen eines sinnerfüllten Lebens und Alterns etc. beschäftigen.

Der Beruf Lebens- und Sozialberatung ist dafür prädestiniert, sein Augenmerk auf alle Fragen der menschlichen Lebensführung u. -gestaltung zu richten. Die Beratungsarbeit wird sich dabei auf die Prävention von Krisen und auf die Entwicklung eines sinnerfüllten ethischen Lebens der KlientInnen konzentrieren. Die Lebens- und Sozialberatung ist jung und kräftig, machen wir uns auf den Weg, sie zu positionieren, in kollegialer Beziehung zu den anderen Beratungsberufen!


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