Wie geht’s?

Die Frage, die wir beim Arzt wohl am häufigsten gestellt bekommen, sollte man umgehend zurückgeben, denn die Berufsgruppe selbst scheint der wirklich „kranke Patient“ im System zu sein.

Ärztemangel kann tödlich enden – Warnungen, die wir sonst nur von Zigarettenpackungen her kennen, prangen jetzt auf Straßenbahnen und Infoscreens. Ob der Durchschnittsbürger damit etwas anfangen kann, sei dahingestellt. Was bei Herrn  und Frau Österreicher hingegen angekommen ist, sind lange Wartezeiten in den Ordinationen, volle Ambulanzen und eine zunehmende Zweiklassenmedizin. Wer es sich leisten kann, neben den Pflichtbeiträgen zur Sozialversicherung noch einmal tiefer in die Tasche zu greifen, wird vielleicht nicht unbedingt besser, aber auf jeden Fall schneller behandelt. Dennoch: Ärzte streiken, fordern mehr Geld und klagen über Arbeitsüberlastung. Parallel dazu hören wir von Milliardengräbern wie dem Wiener Krankenhaus-Nord, neuen Namensschildern für Stadt-Wien-Spitäler und der Zusammenlegung der Sozialversicherungen, der Eröffnung von „Primärversorgungseinheiten“ und einer Gesundheitsministerin, die sich der Wirtschaft verbunden fühlt (SORRY!).

Was das alles mit unserer Gesundheit oder der Versorgung im Krankheitsfall zu tun hat? Die Hintergründe bleiben manchmal selbst Experten verborgen und bei den ohnehin schon komplexen Zusammenhängen im Gesundheitswesen ist es kaum verwunderlich, dass der Durchschnittspatient mit der Todesdrohung durch Ärztemangel wenig anzufangen weiß.

Ärzte am Limit. Das Image der „Götter in Weiß“ leidet und  Ärzte selbst haben offensichtlich wenig Chancen, das Gesundheitssystem und damit ihr Arbeits- und Angebotsfeld positiv zu verändern. Unermüdlich versucht es die Wiener Ärztekammer – nach Slogans wie „Selbst Ihr Automechaniker verdient mehr“ – nun mit einer neuen Kampagne der drastischen Worte, das Ergebnis auf den Punkt zu bringen. Gefordert werden 300 Spitalsärzte und eine „Infrastrukturmilliarde“ mehr, sonst geht es der Gesundheit an den Kragen.