Alt, aber gut!

In Zeiten der Diskussionen über die Anhebung des Pensionsalters, der Konflikte rund um Frühpensionierungen und Angleichung des weiblichen Pensionsalters mutet es eigentlich wie eine logische Konsequenz an, wenn Menschen lang über den notwen-digen Zeitpunkt hinaus arbeiten. Und dennoch handelt es sich dabei um Ausnahmen.

Auffällig ist bei näherer Betrachtung allemal, dass es immer wieder dieselben Berufs¬gruppen sind, in denen Menschen lange arbeiten – bis 65, manchmal bis 70 Jahre oder gar darüber hinaus: Künstler, Politiker, Wissenschaftler, Juristen oder Ärzte zählen dazu, aber auch Kleinunternehmer und natürlich Landwirte. Bei manchen von ihnen liegt der Grund auf der Hand. Auch einem 75-jährigen Schauspieler tut Applaus noch immer gut, Textlernen und andere notwendige Anstrengungen halten jung. Landwirte und Kleinunternehmer haben oftmals mit der Nachfolge zu kämpfen oder sind mit deren Einsatzbereitschaft unzufrieden und mischen daher lieber selber mit. Juristen und Ärzte profitieren von ihrer Erfahrung, die sie in vielen Berufsjahren gesammelt haben, und werden daher lange um ihre Expertisen gebeten. Und Politi¬ker können eben manchmal nicht aufhören mitzumischen, weil es schön und verfüh¬rerisch ist, den Lauf der Dinge mitzubestimmen. Sind das lediglich Klischees? Und was haben diese Menschen tatsächlich davon?

Arbeit hält jung. Eine Studie des Institute of Economic Affairs (IEA) stellte schon vor zwei Jahren fest, dass die Gefahr seelischer und körperlicher Erkrankungen durch den Eintritt in die Rente massiv erhöht wird. Die Studienautoren forderten daher von der Politik, das starre Renteneintrittsalter abzuschaffen und den Bürgern längeres Arbeiten zu ermöglichen. „Längeres Arbeiten wird nicht nur eine wirtschaftliche Not-wendigkeit sein, es hilft den Menschen auch dabei, gesünder zu leben“, meinte dazu IEA-Chef Philip Booth. In manchen Ländern Europas sei man auf dem richtigen Weg, doch die Reformen sollten noch weiter gehen, stellten die Forscher in der Studie fest. Zudem wiesen sie nach, dass es zwar unmittelbar nach der Pensionierung gesund¬heitlich minimal bergauf gehe, doch dafür nehme die Gesundheit danach ziemlich rapide ab.