Omnipräsentes Erdöl

Erdöl landet nicht nur in unseren Tanks, sondern auch in unzähligen Alltagsprodukten. Denn es ist ein vielseitiger und vor allem günstiger Rohstoff. Alternativen zu erdölbasierten Produkten sind allerdings im Kommen.


Textilien, Farben, Computergehäuse, Plastikverpackungen, Dünger, Pestizide, ja sogar Kosmetika und Medikamente – es gibt heute kaum ein Produkt, in dem kein Erdöl steckt. Die Mineralwasserflasche im Kühlschrank besteht aus Polyethylen-terephthalat (PET), ihr Erdölanteil liegt bei knapp 100 Prozent. Im Aspirin wiederum finden sich Bestandteile, die zu 35 Prozent aus der Petrochemie kommen. „Insgesamt bauen rund 300 Basischemikalien auf Erdöl auf. Wir müssen uns also klar sein, dass die heutige industrielle organische Chemie zu 90 Prozent auf Erdöl beruht“, sagt KR Hubert Culik,  Geschäftsführer des Farben- und Lackherstellers Helios und Obmann des Fachverbandes der Chemischen Industrie.
Der Grund für die Dominanz von Erdöl in der organischen Chemie liegt in seiner chemischen Struktur. Denn der fossile Rohstoff besteht aus verschiedenen einfachen Kohlewasserstoffen, die relativ leicht angereichert und dadurch zu neuen, höherwer-tigen chemischen Elementen umgewandelt werden können. So wird aus Rohöl in den Raffinerien durch Reinigung, Destillation und Konversion nicht nur Diesel, Benzin, Kerosin und Heizöl, sondern eben auch eine erkleckliche Anzahl chemischer Grundstoffe, die als Basis für unsere Alltagsprodukte dienen. Wie etwa Butadien, das wiederum zu Synthesekautschuk und Kunststoffen weiterverarbeitet wird. Oder zu Tensiden, Paraffinen und Vaseline, die in Kosmetikprodukten als deren Fettbestand-teil zum Einsatz kommen.

Günstige Basis. Dass Erdöl trotz dieser diversen Veredelungsschritte die günstigste Basis für Chemikalien ist, hat für Univ.-Prof. DI Dr. Marko Mihovilovic vom Institut für Angewandte Synthesechemie der TU Wien auch einen ökonomischen Grund. „Die Erdölindustrie ist dermaßen optimiert – und zwar von der Gewinnung bis zur Weiter-verarbeitung im Rahmen der Petrochemie“, sagt der Universitätsprofessor.