Mensch und Maschine in Symbiose

Die Digitalisierung ist der Kern eines umfassenden Strukturwandels in der Gesellschaft. Oft wird sie mit „Industrie 4.0“ umschrieben – eine irreführende Bezeichnung, denn die Anwendungen gehen weit darüber hinaus, wie am Beispiel von Exoskeletten deutlich wird.

Exoskelette sind im Tierreich nichts Neues: Sie schützen und stützen einen Organismus von außen und geben zum Beispiel Insekten, Krebsen, Spinnen oder Tausendfüßern Halt und Form. Die Materialen sind aus Chitin, Silikat oder Kalziumverbindungen und damit härter und leistungsfähiger als ihr Kern und meist auch „wasserdicht“.

Noch kein Durchbruch

Menschen erkannten die Vorteile und Anwendungsgebiete eines Exoskeletts für das eigene Leben schon vor rund 50 Jahren, denn damals wollte die US-Navy bei den Ingenieuren von Walt Disney den Bau eines „Panzers“ für Soldaten in Auftrag geben, nachdem Disney für die Weltausstellung einen lebensgroßen Roboter nach dem Vorbild von Abraham Lincoln gebaut hatte. Der Lincoln-Ro- boter konnte zwar nur sprechen und weder laufen noch Lasten tragen, doch aus Aufzeichnungen von Walt Disney geht hervor, dass die Navy tatsächlich eine Vorrichtung suchte, die Menschen dazu befähigt, Lasten mit einem Gewicht von rund 700 kg einen Meter hoch zu stemmen und dann sieben Meter weit in weniger als zehn Sekunden zu laufen. Zur Umsetzung kam es aber nie und der kommerzielle Durchbruch gelang dem Eisenmantel bis heute nicht.
Doch neuen Auftrieb erhielt die Idee in den letzten Jahren durch eine Reihe weiterer Kinofilme: Tom Cruise verleiht ein Exoskelett in „Edge of Tomorrow“ Superkräfte und der moderne „Ironman“ wäre nicht so erfolgreich, wenn er nicht einen Panzer aus Stahl mit einer ganzen Reihe von Zusatzfeatures hätte. Und auch „Elysium“ wäre kein Kinohit geworden, wenn nicht Oscar-Preisträger Matt Damon in der Hauptrolle taktische Unterstützung einer zweiten Haut aus Stahl bekommen hätte. Parallel passiert im „echten Leben“ eine digitale Transformation in vielen Sektoren. Menschen und Maschinen rücken näher.