SERIE: Digitalisierung

Bildung 4.0  – die Revolution ist im Gange

Die Digitalisierung verändert Lehre und Lernen. Dabei fallen Schlagworte wie Flexibilisierung, Personalisierung und Demokratisierung.


Wer eine Vorlesung von Dr. Andrea Ghoneim vom Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien an der Donau Universität Krems besucht, dem wird rasch klar: Hier ist aktive Mitarbeit gefragt, Frontalunterricht gibt es nicht. Denn Ghoneim setzt wie   viele ihrer Kollegen auf digitales Lernen. Etwa in den sogenannten „flipped classrooms“, die vor und nach jeder Präsenzphase auf dem Programm stehen. Darin eignen sich Studierende mithilfe von multimedialen Lernmaterialien den theoretischen Hintergrund zu Hause an. In der Präsenzphase wird das Erlernte vertieft, diskutiert oder es werden spezielle Fragestellungen erarbeitet. „In der Vorlesung können sich die Studierenden damit auf die Umsetzung der Inhalte konzentrieren, die sie bereits davor selbstständig erarbeitet und reflektiert haben“, sagt Ghoneim.

Kein Frontalunterricht im Netz. Didaktisch ist dabei alles möglich: Das Spektrum reicht von kurzen Vorträgen über das Einspielen von Videos bis zu einem kleinen Quiz, mit dem die Studierenden ihr Wissen über Lernplattformen selbst überprüfen können. Einen Fehler dürften die Lehrenden dabei allerdings nicht machen: „Man darf keinesfalls den Frontalunterricht ins Netz verlagern“, warnt Dipl.-Päd. Christopher Hanzl, M.A., B.Ed., Leiter des Teaching Support Centers an der FH Campus Wien. Doch das ist nicht die einzige Herausforderung für die Lehrenden: Der digitale Unterricht kostet sie nämlich auch mehr Zeit. „Nehmen wir an, ich habe meinen Studenten  eine Rechercheaufgabe gegeben und sie um einen Erfahrungsbericht ersucht“, sagt Ghoneim. In einer Präsenzvorlesung würde man aus Zeitgründen zwei, vielleicht drei davon exemplarisch diskutieren. „Online gehe ich auf alle ein und das dauert“, so Ghoneim. Die Vorteile der virtuellen Klassenzimmer liegen für Experten dennoch auf der Hand. Man sei, sagt Ghoneim, als Vortragender nicht auf ein lineares Medium beschränkt, sondern könne etwa Videos in die Vor- und Nachbereitung der Präsenzlehre einbauen.