Firma gründen? Jetzt oder nie!

Statt jahrelang zu studieren (mit ungewissem Ausgang), kann man mit genug Selbst-bewusstsein und gründlicher Vorbereitung gleich selbstständig werden. Im Gespräch mit dem Geschäftsführer der Jungen Wirtschaft Wien, Jürgen Tarbauer, erfahren Interessierte, worauf es dabei ankommt.


Wie sehen Sie die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung bzw. die Herausforderungen für potentielle Gründer?

Grundsätzlich sehr positiv. Der starke Wirtschaftsaufschwung hält weiterhin an und die Anzahl der Neugründungen ist zum dritten Mal in Folge gestiegen. Auch die Stimmung unter den Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern ist durchwegs positiv. Die Rahmenbedingungen für Unternehmen sind aber nach wie vor alles andere als optimal. Die im EU-Vergleich sehr hohen Lohn- und Lohnnebenkosten sowie die überwuchernde Bürokratie stellen die Wiener Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer vor großen Herausforderungen.
Mit dem sich zuspitzenden Fachkräftemangel eröffnet sich ein weiterer, großer Pro-blembereich. Zudem ist das Wachstum bei den Neugründungen im Vergleich zum Vorjahr doch deutlich zurückgegangen, was zeigt, dass die Entwicklungen positiv, aber alles andere als stabil sind. Wer in Wien gründen möchte, braucht nach wie vor viel Kraft und Durchhaltevermögen.

Wo tut sich in der Wiener Gründerszene derzeit am meisten bzw. gibt es die spannendsten Entwicklungen?

Wien hat eine sehr vitale und vor allem vielfältige Gründerszene. Von innovativen Startups bis hin zum klassischen Handwerk, in jeder Branche finden sich außer-gewöhnliche Unternehmerinnen und Unternehmer mit großartigen Ideen. Beispiels-weise gibt es im Medizin- und Gesundheitsbereich viele junge Unternehmen, die oft fern der öffentlichen Wahrnehmung an unglaublichen Projekten arbeiten.

Die Regierung will bei Förderungen einsparen. Sind da nicht auch solche für Gründer und Start ups betroffen?

Absolut. Ein Beispiel dafür ist der Beschäftigungsbonus, der  die Lohnnebenkosten für neue Mitarbeiter zeitlich begrenzt  fördern sollte, nun jedoch nach sieben Monaten von der neuen Regierung ohne Alternative wieder gestrichen wurde. Von den knapp 15.000 Anträgen für fast 80.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bis zum Ende der Antragsfrist eingelangt sind, stammen die Hälfte von Kleinstunternehmen, ein Drittel von Firmen mit bis zu 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.