Brexit? Fragen, aber noch keine Antworten

Großbritannien gehört zu den beliebtesten Destinationen für heimische Studierende, Schüler und Lehrlinge, die ein Praktikum oder Auslandssemester absolvieren wollen. Der angekündigte Brexit sorgt auch in diesem Bereich für jede Menge Unsicherheit.

Die Unsicherheit bei Katrin Gruber ist groß. Die Maturantin möchte im kommenden Wintersemester ihr Englischstudium beginnen und im Laufe des Studiums auch ein Auslandssemester in Großbritannien absolvieren. Der angekündigte Brexit lässt sie allerdings an ihren Plänen zweifeln. „Ich frage mich, ob das Auslandssemester dann noch so einfach über die Bühne geht wie bisher“, sagt die 18-Jährige. Mit ihrer Besorgnis steht sie nicht allein da – schließlich gehört Großbritannien zu einem der beliebtesten Studienstandorte Europas.
„Das Vereinigte Königreich liegt bei österreichischen Studierenden im Rahmen eines Erasmus-Studienaufenthaltes oder -Praktikums auf Platz drei der beliebtesten Destinationen hinter Deutschland und Spanien“, sagt Dr. Stefan Zotti, Geschäftsführer des Österreichischen Akademischen Austausch-dienstes. Exakt 621 Studierende sind im Rahmen des Mobilitätsprogramms Erasmus derzeit an britischen Universitäten inskribiert oder absolvieren dort ein Praktikum. Im Gegenzug befinden sich 399 britische Studierende an heimischen Universitäten. Aber auch ein gutes Drittel jener rund 500 Lehrlinge bzw. Schüler berufsbildender Schulen, die jährlich für ein vier- bis sechswöchiges Praktikum ins Ausland gehen, zieht es nach Großbritannien, weiß Susanne Klimmer, Geschäftsführerin der IFA - Internationaler Fachkräfteaustausch.

Keine Klarheit

Mit welchen Änderungen sie, aber auch jene britischen Studenten, die in einem EU-Land studieren wollen, nach dem Brexit rechnen müssen, ist noch völlig offen. „Das hängt davon ab, ob Großbritannien weiter an Erasmus teilnimmt oder nicht“, sagt Zotti. Dafür gebe es verschiedene Szenarien. Etwa, dass Großbritannien wie die EWR-Staaten (Island, Liechtenstein und Norwegen) sowie Mazedonien und die Türkei den Status eines assoziierten Landes erhält und so an EU-Bildungsprogrammen, wie dem Mobilitätsprogramm Erasmus+, das den internationalen Austausch für Schüler, Studierende, Lehrlinge und auch Berufstätige bis 2020 mit fast 15 Milliarden Euro fördert, voll teilnehmen kann. Aber auch das Modell Schweiz ist vorstellbar: Diese beteiligt sich an EU-Programmen aus Eigenmitteln, das heißt, Studierende erhalten hier einen Mobilitätszuschuss aus nationalen Schweizer Fördertöpfen.