SERIE: Handwerk

Arbeitsplatz mit besten Aussichten

Dachstühle gelten als das Werkstück der Zimmerer schlechthin. Doch deren Aufgabenbereich hat sich massiv erweitert – mittlerweile errichten Zimmerleute nämlich ganze Häuser.

Der Holzbau boomt – vier von zehn Häusern in Österreich werden mittlerweile ganz oder zumindest teilweise wieder in Holzbauweise errichtet. Mit dem 84 Meter hohen Hoho wird in der Seestadt Aspern in Wien sogar das vorläufig höchste Holzhaus der Welt gebaut. Etwa ein Drittel der Wertschöpfung in der gesamten Holzverarbeitung – das sind rund 300 Millionen Euro – wird mittlerweile von Zimmerern geleistet. „Bauen mit Holz erlebt derzeit eine Renaissance und hat imagemäßig stark zugelegt“, bestätigt auch Ing. Hermann Atzmüller, Bundesinnungsmeister Holzbau.             
Denn Nachhaltigkeit werde auch in Zukunft noch stärker zum Thema werden. Oder, wie Atzmüller sagt: „Holz ist der Baustoff der Zukunft. Wollen wir die klimapolitischen Ziele umsetzen, kommen wir daran nicht vorbei.“ Dazu komme, dass dieser Rohstoff in ausreichendem Maße zur Verfügung stehe. Dem Trend zu Holz trage auch die Bauindustrie Rechnung: „Die kauft kleinere Holzbaubetriebe auf, um mit dem Zug mitfahren zu können“, weiß der Bundesinnungsmeister. Kein Wunder, dass Atzmüller unter diesen Rahmenbedingungen dem Beruf des Zimmerers mehr als gute Zukunftschancen zugesteht. „In welchem Umfang der Holzbau diese hat, können wir derzeit gar nicht abschätzen“, sagt Atzmüller. Gute Fachkräfte, die den Beruf von der Pike auf gelernt hätten, würden von den Betrieben dringend gesucht.
Wie groß der Bedarf ist, zeigt ein Blick auf die Lehrstellenbörse des Arbeitsmarktservices AMS: Anfang Mai waren dort 131 offene Lehrstellen angeführt, die Zahl der offenen Stellen für Fachkräfte lag laut E-Jobroom des AMS bei 509. Drei Jahre dauert die Lehre, auf dem Lehrplan stehen dabei unter anderem Materialkunde sowie das Entwerfen und Berechnen von Holzkonstruktionen. Aber auch die Praxis kommt nicht zu kurz: Erlernt werden daher das Bedienen der Holzbearbeitungsmaschinen, die Anwendung holzbearbeitender Verfahren wie Sägen, Bohren, Schneiden und Hobeln, aber auch Nageln, Dübeln und Ähnliches. Das Durchführen von Holzschutzarbeiten steht ebenfalls auf dem Stundenplan. „Gearbeitet wird in der Werkstatt und auf der Baustelle“, beschreibt Atzmüller.
Wer will, kann sich auch für die vierjährige Lehre als Zimmereitechniker entscheiden. „Dieses vierte Lehrjahr hat eine noch stärkere technische Ausrichtung, da wird vermehrt auf Digitalisierung Wert gelegt“, sagt der Innungsmeister.