Stillstand am Arbeitsmarkt?

Die Situation am Arbeitsmarkt ist mehr als angespannt und es scheint, als habe die Politik keine Lösung dafür. Allein: Ganz so schlecht steht Österreich allerdings gar nicht da.    

Einerseits ist seit geraumer Zeit von einem stetigen Anstieg der Arbeitslosigkeit die Rede – laut AMS lag die Arbeitslosigkeit Ende Mai um 15,5 Prozent höher als vor einem Jahr. Andererseits befinden sich die Beschäftigungszahlen im Steigen – obgleich nur in einem geringen Ausmaß, denn per Ende Mai 2014 wurde eine Zunahme von 0,6 Prozent bzw. rund 20.000 Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Doch: „Die Eurostat-Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent ist im internationalen Vergleich immer noch ziemlich niedrig. Lediglich Norwegen und die Schweiz weisen in Europa eine geringere Arbeitslosigkeit auf“, weiß Prof. Monika Merz, die den Lehrstuhl für angewandte Ökonomie, insbesondere Makroökonomie, an der Universität Wien innehat. 

Und der Blick über die Grenzen ist unumgänglich, schließlich ist Österreich schon seit Langem keine „Insel“ mehr. Im Gegenteil: Als Teil der EU muss die Wirtschaft in einem größeren Zusammenhang betrachtet werden. Nicht zu vergessen die Ostöffnung und die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, die dem Arbeitsmarkt zusätzlich zusetzen. Merz, die sich auf die Forschungsgebiete Arbeits-, Finanz- und Gütermärkte spezialisiert hat, ist sogar der Meinung, dass Österreich bislang ziemlich glimpflich durch die Krise gekommen sei – unter anderem dank des Instruments der Kurzarbeit: „Viele Nachbar-länder kämpfen schon seit 2009 mit einer stark gestiegenen Arbeitslosigkeit.“ 

Es braucht Qualifikation

Ob das dicke Ende erst noch kommt, kann freilich niemand voraussagen – wenngleich man sich der Tatsache bewusst sein muss, dass die USA schon vor einem Jahr die ökonomische Talsohle überwunden haben, während die Rezession im Euroraum immer noch nicht überstanden ist. Allerdings darf die Arbeitslosigkeit auch nicht einfach über einen Kamm geschoren werden, denn nicht in jeder Branche und nicht bei jeder Altersgruppe haben wir es mit einer Arbeits-losenquote von rund fünf Prozent zu tun. So beträgt sie etwa bei besonders gut Qualifizierten bzw. Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss konstant rund drei Prozent. Zugegeben: Bei gering Qualifizierten und/oder Migranten mit geringen Sprachkenntnissen ist sie jedoch zum Teil viermal so hoch.