
Laut Behindertenbericht des Bundesministeriums für Soziales lebt 1% der österreichischen Bevölkerung, etwa 85.000 Menschen, mit mentalen Beeinträchtigungen. Hinzu kommen weitere 200.000 Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden. Ihre Zahl nimmt in den modernen Gesellschaften stark zu. Frauen sind davon überproportional betroffen (etwa 3% der Frauen gegenüber 2% der Männer).
Der immer noch gängige Begriff der „geistigen Behinderung“ stellt für Univ.-Prof. Dr. Germain Weber, Präsident der Lebenshilfe Österreich, nicht nur eine Diskriminierung dar, sondern entspricht auch nicht den Tatsachen dieser Form von Behinderung: „Einschränkungen treten insbesondere in kognitiven Bereichen auf. Allerdings wird Behinderung von der Gesellschaft selbst produziert, nämlich wenn Vorurteile und negative Einstellungen das Bild dominieren.“
Der Dekan der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien plädiert für eine Sichtweise, die Behinderung als „normalen Bestandteil menschlichen Lebens wahrnimmt, als eine willkommene Vielfalt“. Wenn diese Vielfalt als Chance gesehen wird und entsprechende Förderung und Unterstützung vorhanden ist, kommen die unterschiedlichsten Talente zum Vorschein. So setzen Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung ihre Fähigkeiten in vielen Berufen ein, z.B. in Gärtnereien, Verkaufsläden, Cafés, in der Betriebsküche, beim Schulbüffet, in Handwerksbetrieben oder Kunstateliers ein.