Akademisierung der Pflege

In Österreich herrscht bereits heute ein akuter Mangel an qualifizierten Pflegekräften. Die Situation wird sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. Die geplante Reform der Pflegeausbildung sowie ein besseres Angebot an akademischen Ausbildungsmöglichkeiten sollen den Beruf attraktiver machen und vor allem junge Interessenten anlocken.

Karl Schwaiger, Vorsitzender der Vereinigung österreichischer Pflegedirektoren, sieht Österreich bereits auf einen Pflegenotstand zusteuern: „Wir brauchen dringend mehr Personal  in allen Bereichen.“ Laut Schweiger können schon heute rund 7.000 offene Plätze für Pflege- und Betreuungsberufe nicht mehr besetzt werden. Der Personalmangel werde sich in den kommenden Jahren aufgrund vermehrter Pensionierungen noch deutlich zuspitzen, befürchtet Schweiger und warnt: „Ab 2020 spüren wir es dann ganz massiv.“
Auch Hilfswerk-Präsident Othmar Karas fordert, dem „Arbeitskräftemangel im Sozial- und Gesundheitsbereich endlich mit höchster Priorität“ zu begegnen. Laut Karas braucht das Land allein in der mobilen Pflege bis 2020 zusätzlich etwa 9.000 Pflegekräfte. Mit den Ersatzstellungen werden im Sektor damit rund 40.000 Arbeitsplätze zur Besetzung kommen. Das sei, argumentiert Karas, „mit der bisherigen Ausbildungsstruktur in Österreich unmöglich zu schaffen.“
Der Wettkampf zwischen Institutionen und Bundesländern um die „besten Pflegeköpfe“ hat aber bereits jetzt voll eingesetzt. Die demografische Entwicklung auf der einen Seite, ungünstige Arbeits- und Rahmenbedingungen sowie ein schlechtes Image des Pflegeberufs auf der anderen Seite werden zusätzlich noch ihren Teil dazu beitragen, die Schere zwischen Bedarf und Angebot in den kommenden Jahren noch dramatisch aufgehen zu lassen. Letzteres könnte sich durch ein höheres Angebot an akademischen Pflegeausbildungen deutlich verbessern, hoffen viele Pflegeexperten.
Seit einigen Jahren gibt es an den Fachhochschulen Salzburg, Krems, Wiener Neustadt und am Campus Wien die Möglichkeit, im Anschluss an die Matura eine sechssemestrige Ausbildung zur „Gesundheits- und Krankenpflege“ mit Bachelorabschluss zu absolvieren.