Leistungsdruck von Kindheit an

Kinder lernen interessengeleitet. Das sollten Eltern und Elementarpädagogen respektieren, um Überforderung und Frustration schon im Kindergarten oder der Vorschule zu vermeiden.

Seit September dieses Jahres geht  Sebastian in die Schule. Doch statt den Schulbesuch, auf den er sich so gefreut hat, zu genießen, wurde jeder Tag zur Qual. Tobsuchtsanfälle am Morgen und am Nachmittag beim Erledigen der Hausübung standen täglich auf dem Programm. „Ich will nicht in die Schule. Dort ist es langweilig. Ich lerne nichts, ich kann ja schon alles“, lautete sein Stehsatz. „In diesem Fall sind Individualisierung und Differenzierung gefragt. Das heißt, man holt Kinder dort ab, wo sie stehen“, so Mag. Thomas Wahlmüller, Studienprogrammleitung Elementarpädagogik und Elementardidaktik an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich. Diese seien mittlerweile auch in den gesetzlichen Vorgaben zu finden.
Auch Lernpsychologe Mag. Dr. Robert Franz Moritz bricht eine Lanze dafür, in der Schule individuell auf die Kinder einzugehen. „Warum bilde ich aus den Kindern, die schon ein bisschen lesen und schreiben können, nicht eine Gruppe und gebe ihnen etwas anspruchsvolleres Material als jenen, die noch nicht so weit sind?“, fragt Moritz. Dies stelle natürlich eine große Herausforderung für die Pädagogen dar, da sind sich beide einig. Professionelles Beobachten sei daher wichtig. Nur so könnten Elementar- und Volksschulpädagogen erkennen, wann ein Kind in die nächste Entwicklungs-stufe komme.

Spielerisch annähern

Auf die Frage, was Kinder können sollten, wenn sie in die Volksschule kommen, antwortet der Lernpsychologe: „Volksschullehrer dürfen eine Aufmerksamkeitsspanne von 30 Minuten erwarten.“ Ruhig zu sitzen und zuzuhören könnten Kinder im Kindergarten lernen, etwa dann, wenn ihnen Märchen vorgelesen werden. Weiters sollten sie Anweisungen folgen können und eine gewisse Achtsamkeit mitbringen. „Und sie sollten erkennen können, dass sie Teil einer Gruppe sind“, so Moritz.