Wer lernen will, muss fragen!

So simpel könnte man eines der Erfolgsgeheimisse beschreiben, die verraten, wie man rasch und nachhaltig dazulernt. Im Interview mit Charles Jennings, dem Mitbegründer des britischen 70:20:10-Instituts, verrät dieser erfolgreiche Lernmethoden.


Am 30. Jänner 2018 hält Charles Jennings, Co-founder 70:20:10  Institute (UK), seine Keynote „Exploiting Learning in the Workplace: informal learning & the 70:20:10 model“ auf der LEARNTEC in Karlsruhe. Im Gespräch erklärt er, warum Leistungsträger vor allem aus ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen lernen und, in einem zweiten Schritt, von Kollegen, Communities sowie der Familie. Er appelliert an Manager und HR-Verantwortliche sich auf Performance Support zu konzentrieren.

Herr Jennings, was steckt hinter Ihrem 70:20:10-Konzept?

Die Zahlen stehen für drei unterschiedliche Lernformen, die sich aber oft überlappen: Die ‚70‘ steht für Lernen durch Arbeit – das beinhaltet Erfahrungen, Praxis und Re-flexion. Die ‚20‘ steht für Lernen von und mit anderen – etwa Kollegen, Vorgesetzten, Leistungsträgern, Mitgliedern von Communities oder dem Partner und Kindern. Die ‚10‘ ist das formelle Lernen, dazu gehören unter anderem Kurse, E-Learning und Bücher. Das Modell ist eine Struktur, innerhalb derer sich Lernen & Entwicklung, „Lear­ning & Development“ (L&D) an den Geschäfts- und Organisationszielen aus-richtet.

Warum glauben Sie, dass informelles Lernen wichtiger ist als formelles?

Es ist erwiesen, dass wir mehr aus unserer eigenen Arbeit und von Arbeitskollegen lernen als von formellen Schulungen. Professor Andries de Grip beispielsweise veröffentlichte im Juni 2015 einen Report zur „Bedeutung von informellem Lernen am Arbeitsplatz“. Er geht davon aus, dass 98 Prozent der Zeit, die wir auf das Lernen verwenden, informell ist. Und je näher das Lernen am Einsatzort stattfindet, desto effektiver ist es.

Lernen wir in ruhiger Umgebung nicht besser, wenn wir uns auf formelles Material konzentrieren und es Schritt für Schritt durcharbeiten können?

Ja, manchmal schon. Wenn wir Zeit haben, uns ohne Ablenkung auf neue Ideen und Informationen zu konzentrieren, ist das hilfreich. Aber in der Medizin etwa haben Studien gezeigt, dass längere Erfahrung und Praxis zu weniger Komplikationen führt. Lernen im täglichen Arbeitsablauf hat einen sehr großen Effekt.