SERIE: Mangelberufe

Dicke Bretter bohren

Ein sicheres, schönes und langlebiges Dach möchte  wohl jeder über dem Kopf haben. Wie lange noch, ist eine berechtigte Frage, denn der Beruf des Dachdeckers leidet unter Nachwuchsmangel.


Dachdecker ist zweifellos kein Beruf für jedermann. Mit Höhe muss ein Lehrling jedenfalls zurechtkommen. Doch das alleine kann es wohl nicht sein, warum ein Mangel an Dachdecker-Nachwuchs herrscht. Alexander Eppler ist Landesinnungs-meister der Dachdecker, Glaser und Spengler in Wien. „In ganz Wien gibt es derzeit sieben Lehrlinge über alle drei Lehrjahre gerechnet. Acht bis zehn pro Lehrjahr wären wünschenswert“, sagt Eppler. Ein klarer Fall von Mangel, die wenigen Interessenten sind heiß begehrt. Das bestätigt auch Werner Linhart, Dachdeckermeister und Inhaber der Werner Linhart GmbH für Dach und Fassade in Gänserndorf. „Dachdecker – und Spengler – sind definitiv Mangelberufe, für die es durchaus offene Stellen und Lehrstellen gibt. Der Großteil der Lehrlinge wird sowohl als Dachdecker als auch Spengler in einer Doppellehre ausgebildet, da die beiden Berufe immer mehr zusammenwachsen und der überwiegende Teil der Betriebe zumindest diese beiden Gewerbe ausübt.“

Mangel trotz Bewerbern. Die Lehrlingsentschädigung könne nicht die Ursache sein, warum das Interesse fehlt, denn sie sei wie in allen Bauberufen recht ansehnlich. Linhart bildet in seinem Betrieb regelmäßig Lehrlinge aus – meist zwischen zwei und vier – und sucht immer wieder junge Interessenten. Die Suche nach geeigneten Lehr-lingen wird aber immer schwieriger – und das obwohl die Zahl der Bewerbungen in letzter Zeit stark gestiegen ist.
Dennoch fehlen Lehrlinge, denn beim Bewerbungsprozess läuft einiges schief: „Die Bewerber stammen meist aus diversen Unterstützungsprogrammen und werden offensichtlich motiviert, sich für unsere Lehrberufe zu bewerben. Dies ist grundsätzlich sinnvoll und zu begrüßen. Leider ergibt sich aus diesen Bewerbungen nur zu einem sehr geringen Teil wirklich ein tragfähiges Lehrverhältnis. Die Bewerber erweisen sich bei den inzwischen üblichen Praxis- und Schnupperwochen aus verschiedensten Gründen als zu schwach, als dass ein vierjähriges Lehrverhältnis eingegangen werden kann.“