SERIE: Handwerk

Alte Bücher für wache Köpfe

Mit eigenbrötlerischen, verstaubten Einzelgängern haben Antiquare eigentlich gar nichts gemein. Vielmehr geht es dabei um Dienstleistungen, Austausch, Netzwerken und Bewahrung.


Unkenrufe haben schon von längerer Zeit vorhergesagt, das Buch sei tot, die Digita-lisierung der Totengräber. Buchexperten wie Dr. Paul Kainbacher, stellvertretender Vorsitzender des Verbands der Antiquare Österreichs und selbst Inhaber eines Anti-quariats in Baden, kostet dieses Vorurteil ein Lächeln: „Bücher wird es immer geben.“

Ein altes neues Berufsbild. Antiquare kaufen und wiederum verkaufen ge­brauchte Gegenstände aller Art, im engeren Sinne Bücher, Zeitschriften, Grafiken, Autografen, Landkarten, aber auch Musikalien, Plakate, Radierungen und vieles mehr. Meist sind sie Sammler oder Buchhändler mit Leidenschaft für diese Produkte und eröffnen irgendwann als Ein-Personen-Unternehmen ihr eigenes Antiquariat, tauschen sich mit Kunden und Kollegen aus, besuchen Messen im In- und Ausland und kooperieren eng mit Verlagen, Archiven und Auktionshäusern.
„Angestellte gibt es in unserer Branche eher seltener, Lehrlinge eigentlich gar nicht – vielleicht mit Ausnahme bei den großen Auktionshäusern“, erzählt Kainbacher. Antiquar ist ein freies Gewerbe, mitunter seien es recht junge Leute, die ihr eigenes Antiquariat eröffnen. „Junge Menschen, die sich für diesen Beruf interessieren, sind sicherlich gut beraten, beispielsweise nach einer Buchhändlerlehre erst mal in einem großen Auktionshaus zu beginnen und erst dann ein eigenes Antiquariat zu gründen“, hat der Buchliebhaber einen Tipp parat.       
„Viele Antiquare kommen aber auch von einem wissenschaftlichen Hintergrund, haben einfach jahrelang Bücher gesammelt und irgendwann ihr Hobby zum Beruf gemacht – so wie ich.“ Gefördert werden die Gründungen von Antiquariaten leider in keiner besonderen Form. Die Interessen der heimischen Antiquare werden über einen eigenen Verband der Antiquare Österreichs, über den Hauptverband des Österreichischen Buchhandels oder auch international über die International League of Antiquarian Booksellers (ILAB) vertreten.