Öffnet den goldenen Käfig...

... und lasst die Kinder endlich raus – so lassen sich die Erkenntnisse des Landarztes und Bestsellerautors Dr. Günther Loewit in seinem neuen Buch „Wir schaffen die Kindheit ab“ am einfachsten auf den Punkt bringen.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der bedrohlich rückläufigen Geburtenrate setzt er dort an, wo die Zukunft beginnt, nämlich bei den Jüngsten der Gesellschaft. Der falsche Umgang mit Kindern ist aus seiner Sicht das Grundübel dieser und vieler anderer Fehlentwicklungen unserer Zeit. Und Dr. Günther Loewit weiß, wovon er spricht – er ist nicht nur Vater dreier Kinder, sondern auch ein erfahrener Landarzt und erlebt tagtäglich in seiner Praxis im niederösterreichischen Marchegg, welche Auswirkungen Förderwahn, Selbstverwirklichung und Kinder im goldenen Käfig haben können.
In 35 Jahren ärztlicher Tätigkeit, vor allem als Land- und Hausarzt – also sehr nahe am Intimkreis „Familie“ – hat er beobachtet, dass das „Sterben-Müssen“ heute ein inakzeptable Bedrohung geworden ist. Kein Wunder, dass sich die Medizin auf dieses Manko stürzt und versucht, mit allen Mitteln dagegen anzukämpfen. Von Anti-Aging bis zur Intensivmedizin spielt Geld offensichtlich keine Rolle, um das Lebensende hinauszuzögern. Und während das eine Ende des Lebens immer mehr Aufmerksamkeit bekommt, verschwinden die Kinder auf der anderen Seite aus dem öffentlichen Leben.
Die Gesellschaft hat weder Platz noch Zeit für sie, mit durchaus drastischen Folgen: „Schürf- und Schnittwunden bei Kindern kommen in meinem Arztalltag praktisch kaum mehr vor. Dafür nehmen jedoch Angststörungen, Depressionen und Burn-out-Fälle schon bei Schulkindern zu“, weiß Loewit. Körperliche Symptome, die sich leicht auf psychische Ursachen zurückzuführen lassen, liegen im Trend. „Wenn Achtjährige über Herz- oder Magenschmerzen klagen, muss uns doch klar werden, dass hier etwas schiefläuft. Und wenn Kinder husten, ohne eine medizinische Erklärung. Ja, worauf husten sie denn?“, fragt sich der Mediziner.