Kein Abschied vom Lungenkrebs

Auch wenn Rauchverbote, Nikotinersatzmittel und bessere Diagnosemöglichkeiten in der Medizin Anderes erhoffen lassen: Lungenkrebs ist – zumindest in Österreich – leider nicht auf dem Rückzug. Zu viele Menschen frönen nach wie vor dem Laster des Rauchens.

Medien greifen gerne Themen auf, die die Aufmerksamkeit der Leser auf sich lenken. So ist es wohl auch zu begründen, dass in Österreich über den „Abschied vom Lungen-krebs“ frohlockt wird, obwohl davon eigentlich keine Rede sein kann. Rauchverbote, Nikotinersatzmittel und neueste medizinische Erkenntnisse weisen jedenfalls in eine  positive Richtung, die Zahlen der Erkrankungen und Raucher verheißen allerdings nichts Gutes.

Pechschwarze Zahlen

„Im Jahr 2012 gab es weltweit etwa 1,8 Millionen Neuerkrankungen bei Lungenkrebs“, weiß Univ.-Prof. Mag. Dr. Robert Pirker, Kongress-präsident des renommierten Lungenkrebs-Weltkongresses, der Anfang Dezember 2016 Tausende Teilnehmer nach Wien holte. „Im selben Jahr starben 1,6 Millionen Menschen daran. Man kann also nicht sagen, dass Lungenkrebs auf dem Rückzug wäre“, ergänzt der Experte.  Das Bronchialkarzinom, so der medizinische Fachausdruck, ist somit die häufigste und eine der tödlichsten Krebsarten weltweit und sie wird neben anderen Faktoren zu 85 % durch Rauchen (mit) ausgelöst.
Pirker betont jedoch, dass es weltweit  zum Teil massive Unterschiede gibt. So sei Lungenkrebs etwa in Südostasien auch bei Nichtrauchern häufig, insbesondere   bei Frauen. Die Ursache dafür ist noch nicht restlos geklärt, im Verdacht stehen aber Umweltverschmutzung oder auch Kochgewohnheiten. Während in Ländern wie den USA, Großbritannien oder Irland sinkende Zahlen bei den Lungenkrebsfällen nahelegen, dass Anti-Rauchermaßnahmen endlich wirken, ist dies in Österreich noch nicht der Fall. Denn Österreich gilt laut „Tobacco Control Scale 2013 in Europe“ bei allen Anti-Rauchermaßnahmen europaweit als Schlusslicht.
In den 1970er-Jahren rauchten laut Statistik Austria 39 % der männlichen und 10 % der weiblichen Bevölkerung. Über die Jahre nahm bei den Männern der Anteil der täglich Rauchenden kontinuierlich ab und liegt nun um zwölf Prozentpunkte niedriger (27 %). Bei den Frauen zeigte sich ein gegenteiliger Trend.