Die besten Hände mit den besten Köpfen gleichstellen

Während sich eine ganze Menge Lehrlinge um einen Arbeitsplatz bemühen, suchen gleichzeitig viele Unternehmen verzweifelt nach geeigneten Kandidaten. Wie ist dieser Gap zu erklären? Werden Unternehmer immer anspruchsvoller oder sinkt das Bildungsniveau der Bewerber immer weiter?

Die Wahrheit liegt – wie so oft – wohl irgendwo in der Mitte zwischen steigenden Anforderungen und mangelhaften Qualifikationen, da sind sich fast alle Experten einig. Zu ihnen zählt auch AMS-Chef Dr. Johannes Kopf. Aufgrund der an sich durchaus zu begrüßenden Ausbildungsgarantie, wonach jeder Jugendliche eine Lehre machen kann, kommen nun auch die Schwächsten ins System, die bislang als Hilfsarbeiter oder überhaupt ohne Arbeit am Rande der Gesellschaft lebten, argumentierte Kopf vor Kurzem in einem STANDARD-Interview: „Das bedeutet, der durchschnittliche Lehrling oder Lehranwärter ist schwächer geworden, gleichzeitig steigen die Anforderungen der Betriebe generell und auch an Lehranfänger – und so kommt dieser Mismatch immer mehr zustande. Ich finde die Bildungspflicht bis 18 super und wir werden unser Bestes tun, zu helfen, aber wir sind da vielfach Reparaturanstalt. Es gelingt uns, dass die Hälfte der Jugendlichen, die vorher zu schwach waren, nach einem Jahr auf eine ordentliche Lehrstelle wechseln. Das ist ein toller Erfolg.“

Der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit ist trotz allem aber nicht das AMS, sondern eine fundierte Bildung. Die Daten der Arbeitslosenstatistik bestätigen diese Erkennt-nis immer wieder aufs Neue. Während sich die Arbeitslosenquoten von Personen mit Studium, Matura oder auch abgeschlossener Lehre in den letzten zwei Jahrzehnten nur geringfügig verändert haben, steigen sie bei Personen mit lediglich Pflichtschulabschluss steil an. Waren 1990 erst neun Prozent mit diesem Bildungsabschluss arbeitslos, so sind es inzwischen bereits fast dreimal so viele (24 Prozent).

Auch für Industrieunternehmen wird es immer schwieriger, genügend geeignete Kandidaten für offene Lehrstellen zu finden. „Natürlich werden die Unternehmen immer anspruchsvoller“, bestätigt Prof. Dr. Christian Friesl, Bereichsleiter Bildung und Gesellschaft in der Industriellenvereinigung (IV), „alleine schon deshalb, weil die Kunden anspruchsvoller, die technologischen Voraussetzungen komplexer, die internationalen Verflechtungen intensiver und Konkurrenzsituationen härter werden“.