Mangelware Landarzt

Für viele kleine Gemeinden wird es immer schwieriger, eine wohnortnahe Gesund-heitsversorgung durch Hausärzte sicherzustellen, weil der Nachwuchs fehlt. Das hat viel mit dem schlechten Image der Hausärzte unter den Medizinern zu tun.

Junge Ärzte braucht das Land. Was insgesamt für Österreichs Gesundheits¬versor-gung gilt, gilt besonders für die Allgemeinmedizin – und nochmals verschärft für die Landmedizin. Laut Zahlen aus der Wirtschaftskammer kommen zwar 1,6 Allgemein-mediziner auf 1.000 Österreicher – und damit fast doppelt so viele wie in der OECD. Tatsächlich führt aber weniger als die Hälfte von ihnen eine allgemeinmedizinische Praxis und ist damit als versorgungsrelevant zu betrachten. Als Kassenarzt arbeitet gar nur ein Drittel, rund 3.800 Ärzte. 1.600 davon praktizieren als Landärzte in Gemeinden bis zu 3.000 Einwohner. Sie betreuen 3,6 Millionen Patienten.

Mehr als die Hälfte der angesprochenen Landärzte wird innerhalb des nächsten Jahrzehnts in Pension gehen. In manchen Bundesländern – wie etwa in Kärnten und der Steiermark – sind es sogar zwei Drittel, in einzelnen Regionen wie dem ober¬steiri¬schen Bezirk Bruck fast drei Viertel. Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage wird sich in den kommenden Jahren nochmals dramatisch verstärken. 

Die Nachfrage steigt demografisch bedingt weiter. Menschen werden nicht nur älter, sondern sind auch länger krank. Der Anteil chronischer Erkrankungen, die eine permanente medizinische Betreuung durch einen Hausarzt erfordern, nimmt kontinuierlich zu. Gleichzeitig wird das Angebot zusehends knapper. 

Das politische Bekenntnis zur Stärkung der Primärversorgung, das anlässlich der aktuellen Gesundheitsreform in aller Munde ist, ist nicht neu. Woher sollen aber all die zusätzlichen Ärzte kommen, die nötig sind, um ein funktionierendes „Primary Health Care“-System in diesem Land zu etablieren? Die Realität sieht freilich ganz anders aus. Österreich verfügt gegenwärtig zwar über viel mehr Krankenhausbetten als im europäischen Durchschnitt, zugleich aber über eine viel geringere Allgemein¬mediziner-Rate (16 % der gesamten Ärzteschaft, im Jahr 1960 waren es noch 40 %).