SERIE HANDWERK

„Wer innovativ ist, setzt sich durch!“

Schuhmacher und Orthopädieschuhmacher stellen beide Schuhe her. Beim zweiten steht vor allem die Gesundheit im Mittelpunkt.


Als Schuhmacher lernt man das traditionelle Handwerk, um Schuhe zu fertigen, so erzählt Wolfgang Wedl, niederösterreichischer Landesinnungsmeister der Orthopä-dieschuhmacher und Schuhmacher. Drei Jahre dauert die Lehre – der angehende Schuhmacher lernt dabei sowohl Schuhe zu entwerfen als auch das dafür passende Material auszuwählen und zu verarbeiten. Dazu gehört beispielsweise das Nähen von Hand oder mit der Maschine genauso wie der Umgang mit Chemikalien wie Klebern. Aber auch das Umarbeiten von Schuhen oder die Reparatur derselben wird vermittelt. „Weiters stehen bedingte Anatomiekenntnisse auf dem Lehrplan“, sagt Wedl, der in Hochwolkersdorf ein Geschäft für Orthopädieschuhtechnik betreibt. Denn schließlich sollen die Nähte der Schuhe dort verlaufen, wo sie nicht drücken.
Während für Schuhmacher Design, Anatomie und Qualität im Mittelpunkt stehen, rückt bei Orthopädieschuhmachern ein ganz anderes Thema in den Fokus: die Gesundheit. Deshalb gehört dieses Handwerk, wie beispielsweise Optiker, auch zu den Gesundheitsberufen.
„So sind Anatomie, Fehlstellungen und Krankheiten wie beispielsweise Diabetes oder Rheuma auch zentrale Themen der Lehre“, erzählt der burgenländische Landes-innungsmeister Mag. Josef Weninger. Sie dauert insgesamt 3,5 Jahre. Sollte ein Schuhmacher später doch einmal lieber Orthopädieschuhmacher werden, so ist nichts verloren: Nach entsprechender Weiterbildung kann er sich mit einer Prüfung dazu qualifizieren. Die Aufgabe der Orthopädieschuhmacher beschreibt Wedl kurz und prägnant: „Sie packen kranke Füße in Schuhe, die auch gefallen sollten“.
Neben der Herstellung maßgeschneiderter orthopädischer Schuhe lernen dabei die Lehrlinge auch, Schuhe umzubauen. Hat ein Kunde etwa unterschiedliche Beinlängen, kann der Konfektionsschuh des kürzeren Beines adaptiert werden, indem die Sohle erhöht wird. Bei Schuhen ist für den Orthopädieschuhmacher aber noch lange nicht Schluss: auch Einlagen, Prothesen oder Orthesen, die den Haltungsapparat schützen und stützen, werden von ihnen gebaut.