Kein Land der Gleichstellung

Alte Machtstrukturen, überholte Wertvorstellungen und eingefahrene Rollenbilder blockieren nach wie vor die Gleichberechtigung in Österreich. Frauennetzwerke  helfen zumindest im Berufsleben.


Man braucht keine Feministin zu sein, um zu erkennen, dass Österreich in puncto Gleichstellung und Gleichberechtigung nach wie vor massiven Aufholbedarf hat. Zwar werden Frauen, wie die Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings, Sonja Ablinger, feststellt, beim Zugang zu Bildung nicht mehr diskriminiert, im Berufsleben jedoch sehr wohl. Das spiegeln auch verschiedenste Zahlen wider: Nur 18,4 % der Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen sind einer Umfrage des Beratungs-unternehmens EY zufolge weiblich. Quer über alle Ebenen klafft die Lohnschere weit auseinander.
„Das unbereinigte Bruttojahreseinkommen der Frauen liegt noch immer um 38 % niedriger“, kritisiert Ablinger. Das liegt nicht nur daran, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer, sondern auch an der steigenden Teilzeitarbeit: Waren Ende der 90er-Jahre 45 % der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt, sind es mittlerweile  75 %. Ein Grund dafür ist das Fehlen geeigneter Kinderbetreu-ungsmöglichkeiten. Denn Kindererziehung und Kinderbetreuung sowie die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen und die Hausarbeit sind immer noch Frauensache.
„In den deutschsprachigen Ländern ist das Mutterbild sehr eng gefasst. Wer als Mutter, und dann womöglich bald nach der Geburt, arbeiten geht, wird oft als Raben-mutter abgestempelt“, weiß Dr. Barbara Hey, MBA, die Leiterin der Koordinations-stelle für Geschlechterstudien und Gleichstellung an der Karl-Franzens-Universität Graz. Die tief verwurzelten Klischees und Rollenbildern spielen auch ins Berufsleben hinein, werden doch Führungsaufgaben nach wie vor stärker Männern zugeordnet.

Netzwerke nach Männervorbild. Vom Frauenvolksbegehren 2018 erwartet sich Ablinger wieder eine breite Debatte um Ungleichheit und Gleichstellung. Ähnlich sieht das auch Heike Grebien, Sprecherin für das Frauenvolksbegehren in der Steiermark: „Wir schaffen in der Bevölkerung Bewusstsein für die Sache“. Daneben würden sich immer mehr Frauen vernetzen. „Der Druck auf die Politik etwas zu ändern, wird dadurch größer“, ist Grebien überzeugt. Dass der Druck steigt, hofft auch Ablinger. Denn derzeit signalisiere die gegenwärtige Regierung wenig Unterstützung. An dieser ist übrigens damals auch das Frauenvolksbegehren 1997 gescheitert: Von den elf erhobenen Forderungen wurden neun nicht umgesetzt.