SERIE: Mangelberufe

Berufung statt Beruf

Mit etwa siebzig ehrenamtlichen Mitarbeitern ist ein durch­schnittlicher katholischer Pfarrer von den Aufgaben und Verantwortlichkeiten her durchaus mit dem Firmenchef eines Mittelbetriebes zu vergleichen. Der Weg dorthin ist nicht ganz einfach und erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Selbstreflexion.

Die offizielle Kirchenstatistik der Österreichischen Bischofskonferenz hat am Jahresanfang erfreuliche Zahlen veröffentlicht: Die Zahl der Katholiken ist im Vorjahr nur leicht gesunken. Angestiegen ist die Zahl der Priester, die sich aus rund 2.000 Diözesanpriestern, etwa 400 ausländischen Priestern und 1.500 Ordenspriestern zusammensetzt. Etwa 150 heimische Priester sind im Ausland tätig und in dieser Statistik nicht erfasst. „Grundsätzlich gibt es in Österreich zwei Wege katholischer Priester zu werden: als Ordenspriester oder als Diözesanpriester“, erklärt Mag. Dr. Ewald Huscava, Domprediger zu St. Stephan, Personalentwickler in der Erzdiözese Wien sowie Rektor der Donaucity Kirche in Wien. „Wer Ordenspriester wird, hängt an einem Orden und erhält dort seine geistliche Formung“, ergänzt Huscava. Bekannte Männerorden sind etwa die  Benediktiner, die Salesianer oder die Zisterzienser. Die einzelnen Ordensgemeinschaften tragen die Seelsorge, soziale Einrichtungen oder betreiben Schulen, Krankenhäuser sind aber auch in der Pfarrarbeit tätgig. Jeder Orden hat sich einem Thema verschrieben, wie zum  Beispiel die Salesianer Don Boscos der Jugendarbeit. Mit einer Probe- oder Einführungszeit, dem sogenannten Noviziat, beginnt der Eintritt in den Orden. Hier lernen die künftigen Priester die  Regeln der Ordensgemeinschaft kennen und vertiefen ihre Begegnung mit Gott.

Ohne Studium geht es nicht. Der zweite Weg, um die Laufbahn eines Priesters einzuschlagen, erfolgt über ein Priesterseminar. „Wer den Impuls verspürt Priester zu werden, der nimmt Kontakt zur Vorstehung eines Priesterseminars, dem sogenannten Regens, auf“, gibt Huscava Einblick in diesen Ausbildungsweg. In jedem Fall – ob die Laufbahn als Ordens- oder Diözesanpriester begonnen wird – steht das Theologiestudium am Anfang.