Emanzipation trifft Evolution

Männer sind tendenziell risikofreudiger, kämpferischer und selbstbewusster als die weibliche Spezies – nicht nur im Tierreich. Was die Evolution über viele Jahrtau-sende belegt, spiegelt die Gründerszene wider. Doch Frauen emanzipieren sich, auch in Sachen beruflicher Selbstständigkeit und strategischem Balzverhalten.

Teilzeitarbeit, Kinderbetreuung, Doppelbelastung, gläserne Decke – die Themen sind nicht neu und aus der Arbeitswelt durchaus bekannt. Frauen haben es schwer, wenn sie in Führungsetagen kommen wollen und immer mehr entscheiden sich gleich dafür, der eigene Chef zu werden. Doch: „Nur 43 Prozent der Firmengründungen werden von Frauen unternommen“, bedauert die Wirtschaftskammer. Die Zahl ist im deutschen Nachbarland nicht anders, dort klingt es aber zumindest erfreulicher, wenn es heißt, dass „hinter jeder dritten Gründung eine Frau steht.“ Es ist auch nicht neu, dass die Sichtweise, ob ein Glas halb voll oder nur halb leer ist, wohl auch vom persönlichen Lebensmotto abhängt und hierzulande wenig positiv auszufallen scheint. Dennoch sind Gründerinnen ohne Zweifel wichtige Impulsgeberinnen und treibende Kraft für den Wirtschaftsstandort Österreich. Dem kann auch die Tatsache keinen Abbruch tun, dass der Stellenwert der Gründungen gleich noch einmal sinkt, wenn es sich dabei auch noch um einen typischen Frauenberuf handelt: Friseur, Kosmetik oder Fußpflege sind ebenso beliebt wie Mode, Bekleidung oder Kommunikation und in technologieaffinen Branchen finden sich die wenigsten weiblichen Firmenchefs.

Sind Gründerinnen benachteiligt? Fakt ist, dass viele Kleinbetriebe von Frauen geführt werden und sie damit das Wirtschaftssegment deutlich prägen. Die Selbst-ständigkeit schafft für Frauen einerseits Freiraum für persönlichen und wirtschaftli-chen Erfolg und macht andererseits das Familienmanagement neben dem Beruf oft einfacher möglich. Als eigener Chef spielt das Ende an der „gläsernen Decke“ keine Rolle, denn über das Weiterkommen entscheidet „frau“ grundsätzlich selbst. Dennoch stehen am Ende der Selbstverwirklichung im eigenen Business auch hier die klassischen Barrieren im Weg: Wer für Kinder und Familie mehr Zeit reserviert, dem wird auch das Fortkommen mit dem eigenen Unternehmen nicht ganz so leicht fallen.