Von Würden und Weihen

Ein Doktorat mit dem eigenen Namen zu führen, steht nach wie vor bei vielen Studierenden hoch im Kurs. Doch längst ist auch auf dieser akademischen Ebene nicht jeder Doktor gleich viel „wert“ und der Schritt muss gut überlegt sein, dauert eine Dissertation doch im Schnitt etwa drei Jahre.

Wohl kaum ein anderes Land der Welt drückt seine Ehrfurcht und Bedeutung von akademischen Titeln besser aus als das heimische Standardwerk „Titel in Österreich. Der Leitfaden für die Praxis“. Der Autor Heinz Kasparovsky gibt bereits in der vierten Auflage eine tabellarische Übersicht über rund 900 in Österreich durch Rechtsvorschriften geregelte Titel. Der Stellenwert von Berufstitel, Ehrentitel und ganz besonders einem Doktortitel als personenbezogene Ergänzung zum Namen verleiht dem Träger nach wie vor ein gutes Maß an Würde, sozialem Status und gesellschaftlichem Ansehen. Ein Grund ist wohl, dass ein Doktortitel – zumindest offiziell – nicht käuflich ist und viele Jahre harte Arbeit bedeutet.

Doktor ist nicht gleich Doktor

Die Auswahl von Thema und Doktor vater sind die beiden ersten wichtigen Schritte, bevor es an das Schreiben der eigentlichen Doktorarbeit geht. Und hier scheint bereits die erste große Hürde für viele angehende Doktoren zu sein, denn: Die Personalknappheit an den Universitäten macht die Suche nach einem Betreuer, der einen über mehrere Jahre bei der Arbeit an einem umfassenden Forschungsthema unterstützt, gar nicht so einfach. Das setzt schon einmal voraus, die „zündende Idee“ für ein passendes Thema zu haben, die auch noch mit einer gewissen relevanten Forschungsfrage untermauert werden sollte. Hier haben es ohne Zweifel die naturwissenschaftlichen Studienrichtungen doch um einiges leichter, während in sozial oder wirtschaftswissenschaftlichen Fächern die weißen Flecken auf den Forscherlandkarten wohl eher dünn gesät sind. Praxiswissen ist gefragt und das hat nicht zuletzt im Zuge des BolognaProzesses auch zu einer Differenzierung zwischen dem klassischen Doktorat und dem eher forschungsorientierten und international bekannteren PhD geführt. Zudem wird auch ein „DBA“ vorwiegend in Wirtschaftswissenschaften verliehen.