Minderheit: Ärztinnen in Führungspositionen

Knapp 14 Prozent der Primariate sind von Frauen besetzt – der Anteil der Spitalsärztinnen in heimischen Krankenhäusern liegt hingegen bei 53 Prozent.

Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der ausschließlich im Spital tätigen österreichischen Ärzte sind weiblich. Der Anteil von Frauen bei den Turnusärzten beträgt sogar schon 59 Prozent, aber nicht einmal 14 Prozent der Primariate sind in Österreich von Frauen besetzt. Auf diese krasse Benachteiligung wiesen anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März 2015 zwei Kammerrätinnen der Ärztekammer für Wien, Cornelia Hieber und MariaChristina Walter, hin. Dabei unterscheiden sich die Karriereverläufe von Medizinerinnen, verglichen mit jenen aller österreichischen Universitätsabsolventinnen, nur unwesentlich: Hier lauten die Kennzahlen 53 Prozent weibliche Studierende, 67 Erstabschlüsse durch Frauen, aber bereits eine erste Trendumkehr bei den Assistenten mit einem Frauenanteil von nur mehr 41 Prozent. Das setzt sich dann weiter fort: Bei den Dozenturen liegt der Frauenanteil bei nur mehr 21 Prozent und bei den Professuren gar nur mehr bei mageren 18 Prozent.
An der MedUni Wien sind überhaupt nur 14 Prozent aller Professoren Frauen. Zwar gibt es für Österreich keine Daten, wie viele der Frauen, die es "geschafft" haben, auch Kinder haben, aber es ist anzunehmen, dass die "maternal wall" gerade auch für diese Kolleginnen gilt. "Maternal wall" bezeichnet die beruflichen Hemmnisse, die sich durch Mutterschaft, aber auch durch die Betreuung nahestehender Angehöriger, ergeben.

Ärztinnen drängen auch in den niedergelassenen Bereich

Der niedergelassene kassenärztliche Bereich ist in ganz Österreich derzeit noch zu zwei Drittel männlich dominiert. Die Zukunft sieht aber anders aus: Immer mehr Frauen werden auch hier medizinische Aufgaben übernehmen. Allgemeinmedizinerinnen wandern derzeit oft in Wahlarztpraxen ab, weil dort sowohl für Ärztinnen und Ärzte als auch für Patienten akzeptable Bedingungen herrschen. In eine Wahlarztpraxis zu gehen ist aber für viele Patienten aus finanziellen Gründen nicht möglich.