Wer kümmert sich um uns?

Dass der Begriff „Pflegenotstand“ derzeit stark strapaziert wird, kommt nicht von ungefähr. Nach derzeitigem Stand der Dinge fehlt nicht nur das Personal für die kommende zu pflegende Generation, sondern auch die Finanzierung ist fraglich. Pluspunkt für den Arbeitsmarkt: Pflegeberufe haben Zukunft.


Das Schlagwort Pflegenotstand taucht in den Medien immer öfter auf. Wer sich eingehend damit beschäftigt und derzeit in erwerbsfähigem Alter ist, muss sich fragen, wie die letzten, womöglich pflegebedürftigen Lebensjahre wohl aussehen werden. „Österreich braucht 50.000 zusätzliche Pflegekräfte bis 2050“ titulierte Der Standard im Oktober dieses Jahres, „Zeitbombe Pflege“ warnte das Profil bereits im März. Das Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben sorgt für einen eklatanten Engpass in Österreich, der ohne Hilfe „von außen“ wohl nicht zu überbrücken sein wird.

Zu wenig Pfleger, zu wenig Geld. Derzeit werden etwa 84 Prozent aller alten und kranken Menschen von eigenen Familienmitgliedern zu Hause versorgt, wobei fast die Hälfte dafür weder eine Ausbildung hat noch auf Unterstützung zählen kann. Auch wenn selbstverständlich viele Männer für ihre Partnerinnen sorgen, sind es in der überwiegenden Mehrheit der Fälle Frauen, die ihre Angehörigen betreuen: Töchter, Ehefrauen, Schwiegertöchter oder Enkelinnen. Diese kostengünstige Pflegevariante fällt freilich mit steigender Frauenerwerbsquote immer öfter weg. Verschärft wird die Lage dadurch, dass viele in der Pflege erwerbstätige Menschen demnächst selbst in Pension gehen und womöglich pflegebedürftig werden. Die Babyboomer-Generation hat selbst eine niedrigere Nachkommenzahl als die Generationen davor – noch weniger Angehörige sind verfügbar und der Engpass wird noch dramatischer.
Doch nicht nur Personalengpässe geben Anlass zur Sorge, auch die finanzielle Abdeckung muss schleunigst auf neue Beine gestellt werden. „Wirtschaftsforscher rechnen mit einer Verdreifachung der öffentlichen Ausgaben“, heißt es dazu Anfang Oktober in DER STANDARD. Bis 2050 sei mit einem Anstieg Pflegebedürftiger von derzeit 450.000 auf 750.000 zu rechnen, so die Wirtschaftsforscher.