Pfand auf Plastikflaschen: (K)ein Allheilmittel

Der Umweltschutz war vermutlich nicht der vordringlichste Gedanke, der dazu führte, eine „europäische Strategie für Kunststoffe“ zu ver­fassen. Denn die Kunststoffbranche in der EU beschäftigt immerhin 1,5 Millionen Menschen und erzielte im Jahr 2015 einen Umsatz von 340 Milliarden Euro.


Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze sind die Themen, die hier bewegen, und es gibt nach Ansicht einiger EU-Kommissionsvertreter „starke ökonomische Argumente“, um die Art und Weise, wie Kunststoff hergestellt, verwendet und entsorgt wird, zu überdenken. Kreislaufwirtschaft heißt das Stichwort und Ziel soll es sein, die Umwelt zu schützen und gleichzeitig die Grundlagen für eine neue Kunststoffwirtschaft zu schaffen.
Schätzungen zufolge verbleiben nur 5 % des Werts von Verpackungsmaterial aus Kunststoff in der Wirtschaft, der Rest geht nach einer sehr kurzen und meist nur einmaligen Verwendung verloren. Die jährlichen Kosten belaufen sich dafür auf 70 bis 150 Mrd. Euro. Bis 2030 sollen daher alle Kunststoffverpackungen wiederverwendbar oder recyclingfähig sein und der Verbrauch von Einwegkunststoffen reduziert werden. Aktuell ist das Potenzial der EU-weiten Kunststoffabfälle, die recycelt werden können, etwa 26 Millionen Tonnen pro Jahr. Und es ist weitgehend ungenutzt. Der Großteil der Kunststoffabfälle in Europa, nämlich rund 70 %, wird auf Deponien gelagert oder teuer verbrannt. Nur 30 % werden gesammelt und aufbereitet. Selbst wenn sich also die Verbraucher noch so sehr bemühen, ihren Müll zu trennen, ist es bei einem Großteil der Verpackungen wie zum   Beispiel mit Kunststoff beschichteten Getränkebechern schwierig, sie dem Recycling zuzuführen.

Österreich ist besser als sein Ruf.
Nach dem Plastiksackerlverbot im Einzelhandel soll ein Flaschenpfand für PET-Flaschen dazu führen, die Flut an Einweg-Plastikmüll – verursacht durch Getränkeverpackungen – zu reduzieren. „Im Rahmen des EU-Kreislaufwirtschaftspaketes werden neue Sammel- und Verwertungsziele zur Förderung einer kreislauforientierten Wirtschaftsweise definiert. Die im Jänner 2018 präsentierte Kunststoff-Strategie der EU beinhaltet Vorschläge, wie diese Ziele erreicht werden könnten.