Wir machen mit – und übernehmen Verantwortung!

Österreich ist ein Land der Freiwilligen. Kaum irgendwo sonst gibt es so viele Vereins-aktivisten und ehrenamtliche Helfer wie hierzulande. Erst ihr Engagement sichert viele gesellschaftliche Errungenschaften ab und ermöglicht soziale Angebote, die der Staat weder finanziell noch organisatorisch tragen könnte. Sich zu engagieren ist keine Frage des Alters.


Auch wenn in diesem so speziellen Jahr 2020 kaum etwas so ist wie sonst, ein paar liebgewordene Gewohnheiten werden uns trotzdem bleiben. Zum Beispiel jene, dass wir pünktlich zum Jahresausgleich das Wort des Jahres küren werden. Ein Kandidat dafür könnte im Dezember 2020 – zugegebenermaßen nur mit Außenseiterchancen gegen scheinbar übermächtige Gegner wie Babyelefant, Lockdown, Pandemie oder Social Distancing – das Wort Eigenverantwortung sein.
Mit dem Begriff, oder vielmehr mit dem damit beschriebenen Verhalten, haben wir Österreicher so unsere Probleme, wie sich spätestens im Zuge der COVID-19-Sicherheitsmaßnahmen gezeigt hat. Verbote werden befolgt, so haben wir das als Staatsbürger gelernt. Wo der Gesetzgeber allerdings auf Eigenverantwortung pocht, dort ist er damit nicht selten kläglich gescheitert, zum Beispiel beim Veranstalten von Corona-Parties.

Eigen- und Fremdverantwortung.
Neben der Eigenverantwortung gibt es aber auch die Fremdverantwortung – lange Zeit ein zentraler gesellschaftspolitischer Begriff, je nach Couleur und politischer Gesinnung in den unter­schiedlichsten Ausformulierungen. Am markantesten wohl formuliert von der Sozialdemokratie als „Solidarität“, bis heute ein fundamentaler Baustein unserer sozialen Marktwirtschaft.
Viele Soziologen haben den Begriff der Solidarität aber längst zu Grabe getragen. Sie postulieren für die moderne Industriegesellschaft einen längst stattfindenden Übergang von der Solidar- zur Individualgesellschaft, wo jeder seines Glückes eigener Schmid ist, wo Konkurrenz nicht nur zur beruflichen Maxime erhoben wird, sondern schon den Alltag der Schulkinder bestimmt.


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