Karrieren fernab der Kanzleien

Anwalt oder Notar – noch immer gelten diese beiden Jobs als die klassischen Berufswege für Juristen. Doch ist auch in zahlreichen anderen Bereichen juristisches Know-how gefragt.

Die Attraktivität des Jusstudiums ist nach wie vor ungebrochen – knapp 2.000 Studienanfänger legen allein am Juridicum in Wien zu Beginn des Wintersemesters den Grundstein für diesen Karriereweg. Für viele von ihnen mündet dieser in einer Tätigkeit als Anwalt oder Notar. Auch Richter oder Staatsanwalt zu werden, hat so mancher noch im Sinn. Auch ein Job im öffentlichen Dienst, viele Jahre lang ebenfalls eine klassische Anlaufstelle für Juristen, wird vielfach angestrebt. Angesichts von Sparvorgaben und der Erschlankung des Verwaltungsapparats kann dieser jedoch nur noch eher selten auch verwirklicht werden. „Seit Mitte der 90er-Jahre wird Personal im öffentlichen Dienst nur noch beschränkt aufgenommen“, weiß Mag. Sonja Rieder MSc., Karrierecoach in Wien. Gleiches gilt auch für halböffentliche Institutionen, Interessenvertretungen, Krankenkassen und ähnliche Organisationen.

Viele Berufsbilder unbekannt. Für so manchen wird angesichts dieser Rahmenbedingungen guter Rat teuer. Dazu kommen all jene, die sich ohnehin nicht als klassische Juristen sehen. Sie tun sich vielfach schwer, Alternativen zu finden. Aber nicht, weil es diese nicht gibt.   „Der Punkt ist, dass Juristen viele Berufsbilder gar nicht kennen“, weiß Rieder. Während des Studiums habe man nämlich meist nur mit den Klassikern wie Notar und Anwalt zu tun.
„Dabei ist das Berufsspektrum für Juristen viel breiter geworden“, sagt Rieder, übrigens selbst studierte Juristin. Vor allem die Wirtschaft bietet Juristen ein breites Betätigungsfeld – und das quer durch alle Branchen. Kein Wunder, werden doch viele Gesetze immer komplexer und differenzierter. „Ab einer gewissen Größe beschäftigt jedes Unternehmen eigene Juristen“, weiß Rieder. Je größer, desto schwieriger sei es nämlich, ausschließlich mit externen Juristen zu arbeiten.