Die leise Gefahr aus der Wärme

Klimawandel und Fernreisen bringen Krankheitsüberträger nach Europa, die es hier bisher nicht gab. Immer öfter werden Fälle von Dengue-Fieber, West-Nil-Fieber oder Malaria gemeldet. Wie bedrohlich ist diese Gefahr aus dem Süden wirklich?


Professor Dr. Norbert Nowotny ist Arbeitsgruppenleiter am Institut für Virologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien und erforscht dabei, welche Mücken und Zecken mit welchen Krankheiten im Schlepptau Europa  erreichen. Es seien konkret zwei Viren, die auch Menschen infizieren können, die neu nach Europa eingeschleppt wurden, weiß Nowotny: das Usutu- und das West-Nil-Virus.

Usutu-Virus. „Das Usutu-Virus wurde erstmals in Europa von uns nachgewiesen, und zwar im Jahre 2001 im Großraum Wien. Der Name stammt vom Usutu-Fluss in Swasiland (dessen neuer Name ‚Königreich von eSwatini‘ lautet) im südlichen Afrika. Bis zu diesem Zeitpunkt war dieses Virus nur aus Afrika bekannt, und auch von dort gab es nur einige wenige wissenschaftliche Untersuchungen. Retrospektive Untersuchungen zeigten, dass dieses Virus bereits 1996 in Europa auftrat, und zwar in der italienischen Toskana. Vermutlich wurde das Virus über Zugvögel eingeschleppt. Inzwischen ist es europaweit verbreitet. In Österreich war das Usutu-Virus zwischen 2001 und 2005 auf die Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland beschränkt; von 2006 bis 2015 wurden in Österreich keine Usutu-Virusinfektionen beobachtet, seit 2016 tritt das Virus aber wieder vermehrt auf, in den letzten beiden Jahren so häufig wie nie zuvor. Außerdem breitete sich diese Virusinfektion in den letzten beiden Jahren auch auf die Bundesländer Oberösterreich, Steiermark und Kärnten aus.“
Das Usutu-Virus ist für das sogenannte „Amselsterben“ verantwortlich. Nach wie vor erkranken und sterben vor allem Amseln an dieser Virusinfektion, aber auch eine Reihe anderer Vogelarten ist für das Virus empfänglich.