Der Sinn des (Berufs-)Lebens

Die Arbeitswelt wird immer flexibler, das gilt auch für den Beruf an sich. Karrieren werden „brüchiger“ und ein zweites oder drittes Standbein kann nach Ansicht von Experten in Zukunft kein Nachteil sein.

Jeder von uns kennt sie, die Phasen der Unzufriedenheit im Job, die nicht nur vom Unternehmenswechsel, sondern gar von einem totalen Umstieg träumen lassen. Bis vor einigen Jahren wurde man bei  der Realisierung dieser Träume eher noch scheel angesehen, heute stößt sie auf breite Akzeptanz. „Wir beobachten, dass Berufsbiografien immer weniger linear verlaufen. Arbeitnehmer springen immer öfter zwischen Arbeitgebern, Jobs und Branchen hin und her“, so erzählt Rudi Bauer, Managing Director & Chief Evangelist bei StepStone. Er führt die  gesteigerte Flexibilität unter anderem  auf die steigenden Ansprüche nachwachsender Generationen zurück: Man lasse sich vom Arbeitgeber nicht mehr alles gefallen und suche gleichzeitig im Beruf immer stärker nach Sinn statt nach guter Bezahlung. „Wenn der Sinn nicht passt, dann wird auch einmal die Reißleine gezogen“, weiß Bauer.

Spezialisierung statt Neubeginn.
Wobei jene, die nach einer Grundausbildung neuerlich komplett von vorne anfangen und etwas völlig Neues versuchen, nach den Erfahrungen von Mag. Dr. Ulrike  Papouschek von Forba – Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt in Wien, noch in der Minderheit sind. „Es handelt sich dabei oft um Personen mit eher niedriger Qualifikation, die in nicht besonders gut bezahlten Jobs arbeiten“, erzählt sie. Wie etwa Frauen, die im Handel, als Friseurin oder im Gastgewerbe tätig sind – so manche von diesen würde etwa eine Ausbildung im Pflegebereich absolvieren.
„Die Jobs sind stabiler, die Menschen zufriedener“, so Papouschek. Die meisten Arbeitnehmer allerdings würden sich an ihrer bisherigen Tätigkeit orientieren und sich beispielsweise spezialisieren oder das bereits vorhandene Know-how ergänzen. „Der erfolgreiche Manager, der zum Biobauern wird, ist eine Ausnahme“, sagt sie. Wer sein Berufsleben komplett auf den Kopf stellt, tut dies allerdings nicht immer aus eigenem Antrieb heraus: Eine Kündigung, die Insolvenz des Unternehmens oder auch gesundheitliche Probleme sind vielfach Anlass dafür, dass ein Plan B gebraucht wird.