Ein-Personen-Unternehmen in Not

Wie immer treffen Krisensituationen die Schwächsten am härtesten. Ökonomisch gesehen fallen Ein-Personen-Unternehmen, neue Selbstständige und freie Berufe in diese Gruppe. Wie treffsicher und wirksam sind die Corona-spezifischen Hilfsangebote?


Anna W. arbeitet projektweise als freie Restauratorin. Mit der sofortigen Schließung aller aktuellen Bau- und Renovierungsprojekte brach ihr innerhalb weniger Tage die Lebensgrundlage weg. Die Fixkosten laufen weiter. Am ersten Tag der Einreichfrist für den neuen Corona-Härtefallfonds suchte sie daher um Unterstützung an – und wunderte sich nicht schlecht, als drei Tage später 1.000 Euro als nicht zurückzahlbare Soforthilfe auf ihrem Konto landeten. Anna W. bekam also rasch und unbürokratisch Soforthilfe, um die erste Not zu überbrücken und Zeit zu gewinnen.

Existenzbedrohende Situation

Österreichweit wurden in Phase 1 insgesamt 144.000 Anträge für Unterstützung aus dem Corona-Härtefallfonds bewilligt und über 120 Millionen Euro ausbezahlt. Die große Nachfrage verwundert kaum, zählen doch gerade Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und freie Berufe zu den von der Krise wirtschaftlich am stärksten Betroffenen. Laut einer Berechnung des ORF verringerte sich das durchschnitt- liche Einkommen der EPU in der Krise um knapp 1.100 Euro pro Monat. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei Angestellten (500 Euro).
Wenn man bedenkt, dass viele EPU oder neue Selbstständige auch vor der Krise monatlich kaum über dieser 1.000-Euro-Grenze verdienten, kann man sich recht einfach ausrechnen, wie existenzbedrohend die Situation für viele Betroffene im Moment ist.
Es zählt jeder Euro – und jeder Tag. Anna W. hatte in diesem Sinne Glück. Glück, das vielen anderen Betroffenen aller­dings verwehrt blieb, die aufgrund der strengen Vorgaben für eine Unterstüt­zung aus dem Härtefallfonds keinen Cent aus dem Topf bekamen. Entsprechend heftig war die Kritik von vielen Seiten auf Bundesregierung und Wirtschaftskammer (WKO), die mit der Abwicklung beauftragt wurde. Die Kritik scheint zumindest teilweise gewirkt zu haben. In der am 20. April gestarteten zweiten Phase sind doch einige wesentliche Verbesserungen zu erkennen.

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