Diagnose: ambivalent!

Das österreichische Gesundheitssystem stößt immer häufiger an seine Belastungsgrenzen – und genießt trotzdem höchstes Vertrauen unter seinen Patienten. Woran das System krankt – und was es alles zu bieten hat.

Der nachfolgende Versuch, den Stärken der medizinischen Versorgung in Österreich seine Schwächen gegenüberzustellen, klam­mert die gegenwärtige COVID-19-Krisensituation weitgehend aus, denn die Ereignisse sind noch zu jung um sinnvolle Schlüsse ziehen zu können. Wie sich die dafür getroffenen Notmaßnahmen langfristig auswirken werden und wie viele davon den Sprung in die Regelversorgung „überleben“, wird zu einem späteren Zeitpunkt zu analysieren sein. Was sich in der Krise aber schon jetzt zeigt: Vermeintliche Systemschwächen – wenn etwa Gesundheitsökonomen das Bereithalten zu vieler teurer und leerer Krankenhausbetten kritisieren – erweisen sich in Krisenfällen plötzlich als potenzielle Lebensretter.

Ambivalenz soweit das Auge reicht

Wie gesund ist also Österreichs medizinisches Versorgungssystem in Zeiten, wo Leben und Kranksein ihrem gewohnten Rhythmus folgen? Es ist nicht das Beste der Welt, auch wenn Gesundheitspolitiker landauf- und landabwärts nicht müde werden, genau das gebetsmühlenartig zu trommeln. Zu viele Fakten sprechen im internationalen Vergleich dagegen. Und dennoch: Österreichs Gesundheitssystem ist hoch entwickelt, innovativ, breit aufgestellt, offen für alle – und es genießt vor allem großes Vertrauen in der Bevölkerung.
In allen Patientenbefragungen sind die Zufriedenheitswerte konstant hoch. Das ist kein Widersprich. Es spiegelt vielmehr die Ambivalenz wider, die einen ständig begleitet, wenn man sich auf die Suche begibt, wo die Gesundheitsversorgung im Land gut funktioniert – und wo es überall mangelt, brodelt und kocht. In der Folge sollen einige brisante Themen exemplarisch  herausgegriffen und im dialektischen Sinn mit Pro- und Kontra-Argumenten diskutiert werden.  

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