Sorgenkind Verkehr

Der Verkehr ist der größte Treibhausgasemittent in Österreich. Die Emissionen steigen sogar weiter, statt zu sinken. Wirksame Maßnahmen, das Ruder herumzureißen, sind bisher ausgeblieben.


Österreich ist alles andere als ein Klimaschutz-Musterschüler. Denn die Treibhausgasemissionen sind auch im Vorjahr wieder gestiegen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden 2017 in Österreich 82,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent emittiert. Das entspricht einem Anstieg um 4,6 Prozent gegenüber dem Kyoto-Basisjahr 1990 und einem Plus von 3,3 Prozent gegenüber 2016. „Das größte Problem dabei ist der Verkehr“, sagt Mag. Johannes Wahlmüller, Klimasprecher der Umweltschutzorganisation Global 2000. Mag. Christian Gratzer vom VCÖ – Mobilität mit Zukunft – kann diese Aussage nur bestätigen: „Im Jahr 2017 sind die Treibhaus-gasemissionen des Verkehrs von 23 auf 23,7 Millionen Tonnen gestiegen.“ Aufgrund des erneut gestiegenen Treibstoffabsatzes ist für das Vorjahr mit einer erneuten Zunahme auf 24 Millionen Tonnen zu rechnen.
Zum Vergleich: 1990 waren es „nur“ 13,8 Millionen Tonnen. Rund 18 Prozent der gesamten in Österreich ausgestoßenen Treibhausgase entfallen Wahlmüller zufolge auf den Personen-, zehn Prozent auf den Güterverkehr.

Größtes Wachstum.
„Der Verkehr ist jener Sektor, der in den vergangenen dreißig Jahren am stärksten gewachsen ist“, sagt Gratzer. Waren 1990 nach Angaben der Statistik Austria rund 2,99 Millionen Pkw angemeldet, waren es im Vorjahr bereits 4,98 Millionen. Die einzelnen Autos werden zwar seltener gefahren – pro Jahr wird ein Pkw eines österreichischen Haushalts im Schnitt rund 11.300 Kilometer gefahren, im Jahr 2000 waren es noch 13.460 km –, in Summe aber ist die von den Haushalten mit Autos gefahrene Distanz von rund 41 auf 50 Milliarden Kilometer pro Jahr gestiegen. Abgenommen hat hingegen der Besetzungsgrad in den Autos, er liegt derzeit bei 1,15 Personen pro Pkw. „Das heißt, bei 90 Prozent der Fahrten sitzt nur eine Person im Auto“, sagt Gratzer. Auch die CO2-Emissionen des Lkw-Verkehrs haben zugenommen, und zwar von 1990 bis 2016 um 90 Prozent.